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RLTLüftung & Klima

Fensterlüfter: Wann reichen sie für den Feuchteschutz?

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7 Min.

Ein Paar Fensterfalzlüfter bringt bei leichtem Wind nur 2 bis 4 Kubikmeter Luft pro Stunde in den Raum. Das klingt nach wenig und reicht nach dem Fenstertausch trotzdem oft für den Feuchteschutz. Welche Arten es gibt, wie der Einbau abläuft und ab wann mehr nötig ist.

Fenster von innen mit Kondenswasserspuren, dunklen Flecken am Scheibenrand und Eisblumen auf dem Glas, dahinter unscharf ein Hausdach vor blauem Himmel
Foto: StockSnap / Pixabay, Pixabay-Inhaltslizenz

Ein Fensterlüfter sorgt für einen kleinen, dauernden Luftaustausch bei geschlossenem Fenster: Ein Paar verdeckter Fensterfalzlüfter lässt nach Herstellerangaben bei 2 bis 4 Pascal Winddruck etwa 2 bis 4 Kubikmeter Außenluft pro Stunde herein. Das reicht oft, um nach einem Fenstertausch Feuchte abzuführen und Schimmel vorzubeugen. Für gute Luft bei voller Belegung reicht es nicht.

Gebraucht werden die Lüfter vor allem nach Sanierungen. Neue Fenster schließen dicht, die Fugen der alten Rahmen fallen weg, und die Feuchte aus Kochen, Duschen und Atmen bleibt im Raum. Das Umweltbundesamt rät, die relative Luftfeuchte zwischen 40 und 60 Prozent zu halten, und hält bei luftdichter Bauweise Außenluftdurchlässe für ein sinnvolles Hilfsmittel, weil sie unabhängig vom Lüftungsverhalten einen Grundaustausch sichern können.

Vorweg ein Sicherheitshinweis: In Wohnungen mit raumluftabhängiger Gastherme, Kaminofen oder Kamin hängt die Verbrennungsluft an der Lüftung. Fensterlüfter dürfen dort nur nach Rücksprache mit Schornsteinfeger oder Installateur eingeplant werden, und Dichtungen werden nicht auf eigene Faust herausgeschnitten.

Welche Arten von Fensterlüftern es gibt

Das ift Rosenheim hat in einem Forschungsbericht für die Deutsche Bundesstiftung Umwelt drei Gruppen unterschieden: Fensterfalzlüfter, beschlagsgeregelte Lüfter und Aufsatzelemente. Die meisten arbeiten ohne Strom, angetrieben von Wind und Temperaturunterschied. Die typischen Luftmengen liegen weit auseinander.

BauartSitz am FensterTypische Luftmenge bei 4 PaVentilator
Fensterfalzlüfter, selbstregelndim Falz zwischen Rahmen und Flügelca. 3 m³/h je Systemnein
Fensterfalzlüfter, von Hand regelbarim Falzca. 4 m³/h je Systemnein
Aufsatzelement im BlendrahmenSchlitz im Rahmen, sichtbarca. 10–20 m³/h je Systemnein
Aufsatzelement im Glasfalzüber der Scheibeca. 10–50 m³/h je Meternein

Die Werte stammen aus Herstellerangaben, die das ift im Bericht zusammengefasst hat (Stand 2010). Einzelne Produkte weichen nach ift „u. U. deutlich“ ab. Für die Planung zählt das Datenblatt des konkreten Lüfters. Beschlagsgeregelte Lüfter halten den Flügel einen Spalt offen, von Hand oder per Motor. Aufsatzgeräte mit Ventilator gibt es auch mit Wärmerückgewinnung.

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So funktioniert ein Fensterfalzlüfter

Der Fensterfalzlüfter ist die unauffälligste Variante. Außenluft tritt unten über eine ausgeklinkte Dichtung in den Falz ein, steigt im Hohlraum zwischen Rahmen und Flügel nach oben und gelangt durch das Lüftermodul oben in den Raum. Bei geschlossenem Fenster sieht man davon nichts. Nach Angaben von Regel-air erwärmt sich die Luft im Falz dabei vor: Bei minus 5 Grad außen und 20 Grad innen liegt die Falztemperatur über 10 Grad.

Außenluft Einlass unten Zuluft in den Raum Flügel mit Verglasung Blendrahmen Falz als Luftweg außen innen
Prinzip des Fensterfalzlüfters: Die Luft nimmt den Weg durch den Falz und kommt oben am Flügel in den Raum. Grafik: Redaktion

Gute Modelle haben eine Klappe, die bei starkem Wind schließt. Siegenia gibt für den AEROMAT mini bei paarweisem Einbau bis zu 3 m³/h bei 4 Pa an, bis zu 6 m³/h bei 10 Pa und bis zu 11 m³/h bei 20 Pa, darüber begrenzt die Regelklappe. Regel-air nennt für ein Paar seines FFL an Kunststofffenstern 3,0 m³/h bei 2 Pa und 5,0 m³/h bei 8 Pa. Beide Hersteller prüfen und verkaufen paarweise. Ein einzelnes Modul bringt also weniger, als die Tabellen zeigen.

Wann ein Lüftungskonzept nötig ist

Das Gebäudemodernisierungsgesetz verlangt in § 13 GModG, neue Gebäude mit dauerhaft luftundurchlässiger Hülle zu errichten, lässt die Vorschriften zum Mindestluftwechsel aber ausdrücklich „unberührt“. Wie dieser Mindestluftwechsel geplant wird, regelt die Norm DIN 1946-6 „Lüftung von Wohnungen“. Sie verlangt laut Bundesverband für Wohnungslüftung ein Lüftungskonzept für jeden Neubau und für Modernisierungen, bei denen im Ein- oder Mehrfamilienhaus mehr als ein Drittel der Fenster ausgetauscht oder im Einfamilienhaus mehr als ein Drittel der Dachfläche neu abgedichtet wird.

Das Konzept prüft vier Lüftungsstufen. Die unterste, die Lüftung zum Feuchteschutz, muss ständig und ohne Zutun der Bewohner funktionieren. Gekipptes oder geöffnetes Fenster zählt dafür nicht. Genau diese Lücke schließen Fensterlüfter. Für die höheren Stufen, also normale Nutzung und Lastspitzen beim Kochen oder Duschen, darf die Planung bei freier Lüftung das aktive Öffnen der Fenster einrechnen. Aufstellen darf das Konzept jede Fachkraft aus Lüftungsplanung, Ausführung oder Gebäudemodernisierung, in der Praxis oft der Fensterbauer.

Rechenbeispiel: Wie viele Lüfter braucht eine Wohnung?

Wie die Rechnung grundsätzlich aussieht, zeigt der ift-Bericht anhand der Formeln aus DIN 1946-6 in der Fassung von 2009. Die aktuelle Fassung erschien Ende 2019 und ändert Details. Das Beispiel dient daher nur zur Orientierung und ersetzt kein Lüftungskonzept.

Annahme: 80 m² Wohnung auf einer Ebene, guter Wärmeschutz nach der Sanierung, windschwache Lage.

  1. Bedarf für den Feuchteschutz: 0,3 × (−0,001 × 80² + 1,15 × 80 + 20) = 0,3 × 105,6 ≈ 32 m³/h.
  2. Luft, die durch Undichtheiten von selbst kommt (Infiltration), mit dem Vorgabewert n50 = 1,5 pro Stunde und 2 Pa Auslegungsdruck: 0,5 × 80 m² × 2,5 m × 1,5 × (2/50) hoch 2/3 ≈ 18 m³/h. Der Exponent 2/3 bildet ab, dass die Luftmenge bei steigendem Druck langsamer wächst als der Druck.
  3. Fehlbetrag, den die lüftungstechnische Maßnahme decken muss: 32 − 18 = 14 m³/h.
  4. Leistung je Lüfterpaar bei 2 Pa laut Datenblatt: Regel-air FFL 3,0 m³/h, Siegenia AEROMAT mini bis zu 2 m³/h.
  5. Ergebnis: 14 ÷ 3,0 ≈ 4,7, also 5 Paare FFL. Mit AEROMAT mini wären es 14 ÷ 2 = 7 Paare.

In der Praxis werden die Paare auf die Wohn- und Schlafräume verteilt, Bad und Küche bleiben Ablufträume. Nach Regel-air funktioniert das am besten mit Querlüftung, also Lüftern an gegenüberliegenden Fassaden: Auf der Windseite strömt Luft herein, auf der windabgewandten Seite entsteht Unterdruck.

Einbau: Was beim Nachrüsten passiert

Fensterfalzlüfter lassen sich in vielen bestehenden Kunststoff-, Holz- und Aluminiumfenstern nachrüsten, sofern das Profil passt. Siegenia führt dafür eine lange Liste geeigneter Profilsysteme und schließt Holzfenster mit nur 4 mm Falzluft aus. Ablauf in groben Schritten:

  1. Profilhersteller und System am Fenster bestimmen, passende Lüfter-Variante nach Typenliste wählen.
  2. Lüfter im oberen, beschlagfreien Bereich des Rahmens festschrauben, beim AEROMAT mini im oberen Drittel des Fensters.
  3. Gegenüberliegende Dichtung auf Lüfterlänge entfernen bzw. Einströmdichtung unten einsetzen, damit die Luft durch den Falz strömen kann.
  4. Bei Aluminiumfenstern mit bestimmten Beschlägen nach Siegenia eine Begrenzungsschere einbauen.
  5. Funktion prüfen: Flügel schließen, Klappe muss frei gängig sein.

Der Einbau verlangt eine Bohrlehre, passende Dichtungen und Kenntnis des Profils. Wer zu viel Dichtung entfernt, hat Zugluft und schlechteren Schallschutz.

Grenzen: Wann Fensterlüfter nicht reichen

  • Frische Luft bei Anwesenheit: Ein paar Kubikmeter pro Stunde und Raum decken den Feuchteschutz, nicht den Bedarf mehrerer Personen. Das Umweltbundesamt empfiehlt in der kalten Jahreszeit weiterhin, zwei- bis dreimal täglich etwa 5 Minuten pro Raum stoßzulüften, Küche und Bad nach Kochen oder Duschen 5 bis 10 Minuten.
  • Fensterlose Bäder und WCs: Sie brauchen eine ventilatorgestützte Entlüftung nach DIN 18017-3. Fensterlüfter können dort nur die Nachströmung der Zuluft übernehmen.
  • Wärmeverluste: Falzlüfter haben keine Wärmerückgewinnung. Wer Lüftungswärme zurückgewinnen will, braucht ein Gerät mit Ventilator.
  • Lärm: Ein AEROMAT mini senkt die Schalldämmung eines 42-dB-Fensters laut Datenblatt um etwa 1 bis 2 dB, zwei Stück um etwa 3 dB. An lauten Straßen ist das zu prüfen.
  • Sehr dichte Neubauten: Wird ein Neubau ohne Lüftungsanlage per Blower-Door-Test geprüft und das Ergebnis in der Energiebilanz angesetzt, darf der Volumenstrom bei 50 Pa nach § 26 GModG höchstens das Dreifache des beheizten Luftvolumens pro Stunde betragen. Je dichter das Haus, desto mehr muss die Lüftung planmäßig leisten.

Lüften ohne Fenster öffnen: die Alternativen

Wer ohne Öffnen lüften will, hat neben dem Fensterlüfter drei weitere Wege. Außenwandluftdurchlässe sitzen in der Wand statt im Fenster und arbeiten nach demselben Prinzip. Eine zentrale Abluftanlage saugt in Bad und Küche ab, die Zuluft strömt über Fensterlüfter oder Wanddurchlässe nach. Regel-air bewirbt seine Lüfter gezielt für diese Kombination. Die aufwendigste Lösung ist eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung, zentral oder als dezentrale Wandgeräte. Laut Umweltbundesamt kann bei einer Anlage für die ganze Wohnung auf Fensterlüftung „unter Umständen fast ganz“ verzichtet werden. Filter sollen mindestens einmal im Jahr gewechselt werden.

Häufige Fragen

Kann man Fensterfalzlüfter verschließen?

Das hängt vom Modell. Selbstregelnde Falzlüfter bleiben offen und regeln nur bei starkem Wind ab. Für den AEROMAT mini gibt es einen Drehverschluss als Zubehör, beim Regel-air FFL-m einen kleinen Hebel. Wer den Lüfter ganz schließt, nimmt dem Feuchteschutz die Grundlage. Regel-air bietet deshalb eine Variante, die auch geschlossen eine Grundlüftung erhält.

Wie viele Falzlüfter pro Fenster?

Die Hersteller prüfen ihre Lüfter paarweise, Regel-air gibt Leistungsdaten für 1, 1,5 und 2 Paare je Fenster an. Wie viele Fenster einen Lüfter brauchen, ergibt sich aus dem Lüftungskonzept, siehe Rechenbeispiel oben.

Soll man den Fensterlüfter im Winter schließen?

Nein. Gerade in der Heizperiode entsteht das Schimmelrisiko. Die Regelklappe verhindert bei Sturm zu viel Zugluft. Wer trotzdem Zug spürt, lässt Einbau und Dichtungen vom Fachbetrieb prüfen.

Fazit

Fensterlüfter sind eine unauffällige Lösung für den Feuchteschutz, wenn nach einem Fenstertausch Luftwechsel fehlt. Sie liefern wenige Kubikmeter pro Stunde und Paar und ersetzen das Stoßlüften nicht. Wer mehr als ein Drittel seiner Fenster tauscht, sollte vorher ein Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 vom Fensterbauer verlangen und dort die Zahl der Lüfterpaare festlegen lassen. Bei innenliegendem Bad, lauter Straße oder Wunsch nach Wärmerückgewinnung ist eine ventilatorgestützte Lüftung die bessere Wahl.

Quellen

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